Daniel Goeudevert nennt die Gründe der Hungerkrisen

Die Subventionspolitik im Agrarsektor offenbart laut Daniel Goeudevert ein Höchstmaß an Bigotterie. Mit mehr als 360 Milliarden Dollar pro Jahr fördern die industrialisierten OECD-Staaten, vor allem Europa und Amerika, ihre äußerst produktive High-Tech-Landwirtschaft. Das entspricht etwa dem siebenfachen der weltweit pro Jahr gewährten Entwicklungshilfe und dem 350fachen der von den OECD-Ländern direkt in Afrika geleisteten Agrarhilfe. Daniel Goeudevert ergänzt: „Und der hier dank solcher Förderung produzierte Überfluss landet dann – dem woanders durchgesetzten Handel sei Dank – unter anderem zu Billigpreisen auf den Märkten der Entwicklungsländer.“ So kann man zum Beispiel in Sandaga, dem größten Konsumgütermarkt Westafrikas Obst und Gemüse aus südeuropäischen Ländern kaufen, das bis zur Hälfte billiger ist als die einheimischen Produkte. Auf diese Art und Weise wird die lokale Landwirtschaft zerstört.

AfrikaDie Marktgesetze funktionieren im Nahrungsmittelbereich nur eingeschränkt

Dieses Agrardumping hat gemäß Daniel Goeudevert inzwischen ganze Agrarbranchen in Afrika und anderswo vernichtet, wodurch diesen Ländern auch die Fähigkeit zur Selbstversorgung geraubt wurde. Überdies wurden die Entwicklungsländer anfällig für die Schwankungen der Weltmarktpreise, da sie jetzt auf die Einfuhr von Lebensmitteln angewiesen sind. Daniel Goeudevert erklärt: „Das ist die Ausgangslage, das ist die Ursache für eine möglicherweise bevorstehende Hungerkrise beispiellosen Ausmaßes, von der schon heute mehr als 800 Millionen Menschen direkt betroffen sind – Tendenz dramatisch steigend.“

Daniel Goeudevert vertritt die These, dass die Marktgesetze im Nahrungsmittelbereich nur eingeschränkt funktionieren, insbesondere dann, wenn derart unfaire Bedingungen wie in der Gegenwart herrschen. Er erläutert: „Dass die Nachfrage den Preis bestimmt, ist ja zunächst einmal nichts weiter als eine Binsenweisheit, die mehr verschleiert als erklärt. Denn die Nachfrage steigt zum Beispiel auch, wenn die westlichen Regierungen den Anbau von „Energiepflanzen“ mit Milliardensummen fördern, um ihre Abhängigkeit vom sich stetig verteuernden Öl zu verringern.“

Die Interessen der Satten verschärfen den Hunger auf der Welt

Auf immer größeren Anbauflächen wachsen daher Zuckerrohr, Mais oder Raps als Treibstoffbasis für die Produktion von Biosprit. Das hat gravierende Folgen, vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern. Daniel Goeudevert schreibt: „Landet das Getreide aber im Tank statt auf dem Teller oder im Trog, verteuern sich eben die Nahrungs- und Futtermittel – was sich dann unmittelbar auch auf die Fleischpreise niederschlägt. Und auch Spekulanten und Großanleger, wie Altersvorsorgefonds und Pensionskassen, treiben die „Nachfrage“ künstlich hoch, indem sie, sobald sie einen Preisanstieg erwarten, große Mengen Getreide an den Terminbörsen aufkaufen.“

Durch die Interessen der Satten werden somit der Hunger, die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit auf der Welt weiter verschärft. Daniel Goeudevert nennt noch weitere Ursachen für die weltweit steigenden Lebensmittelpreise: „Dazu gehören eine wachsende Weltbevölkerung sowie zunehmende Ernteausfälle durch die Folgen des Klimawandels, für den wiederum die „reichen“ Länder die Hauptverantwortung tragen. Und dazu gehört sicher auch eine massiv wachsende Nachfrage in den erfolgreichen und besonders bevölkerungsstarken Schwellenländern wie China und Indien.“

Von Hans Klumbies

 

 

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