Die gesellschaftliche Welt ist immer wieder erneuerbar

Die Gesellschaft steckt für Tim Jackson in einer Zwickmühle. Der Professor für Nachhaltige Entwicklung am Zentrum für Umweltstrategien der Universität Surrey erklärt: „Dem Wachstum abzuschwören bedeutet, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch zu riskieren. Hemmungsloses Streben nach Wachstum bedeutet, die Ökosysteme zu gefährden, von denen langfristig unser Überleben abhängt.“ Tim Jackson behauptet, dass dies vom normalen Politikbetrieb meist überhaupt nicht wahrgenommen und in der öffentlichen Debatte an den Rand gedrängt wird. Die wenigsten Politiker gestehen sich überhaupt die Größe der Aufgabe zu, die da auf die Menschheit zukommt. Tim Jackson schreibt: „In einer Welt mit neun Milliarden Menschen, die alle einen westlichen Lebensstil anstreben, müsste die Kohlenstoffintensität jedes einzelnen Dollars der Wirtschaftsleistung im Jahr 2050 mindestens hundertdreißigmal niedriger sein als heute.“

Die ständige Suche nach dem Neuen stärkt den Konsumismus

Die Strategie der Selbsttäuschung stößt laut Tim Jackson nun an ihre Grenzen. Der Kapitalismus ist leider in der Regel nicht effizient, wie blauäugig angenommen. Seiner Meinung ist auch die Annahme falsch, dass der Kapitalismus das Klima stabilisieren und die Knappheit der Ressourcen bewältigen wird. Die Menschheit steht vor dem Offenbarungseid. Zunächst sollten die Menschen sich darüber klar werden, welche Gründe sie in dieser gefährlichen Haltung der Verweigerung verharren lassen.

StionehengeTim Jackson erklärt: „Das Streben nach Gewinn führt zur beständigen Suche nach neueren, besseren oder billigeren Produkten und Dienstleistungen. Unsere unaufhörliche Suche nach dem Neuen, nach gesellschaftlichen Ansehen hält uns im stahlharten Gehäuse des Konsumismus gefangen.“ Es ist der Überfluss selbst, der die meisten Menschen in die Irre geführt hat. Die Konfrontation mit ständig Neuem verstärkt die Angst und schwächt gleichzeitig die Fähigkeit, langfristige und nachhaltige Ziele zum Wohl der Gesellschaft anzustreben.

Die Gleichsetzung von mehr und besser ist grundsätzlich falsch

Gemäß Tim Jackson untergräbt der Überfluss sowohl das Wohl eines jeden Einzelnen als auch das Wohl seiner Mitbürger. Er erklärt: „Irgendwo auf diesem Weg verlieren wir, was wir eigentlich gesucht haben – den Wohlstand für alle.“ Aber zum Glück ist nichts von alledem unausweichlich. Es gibt immer eine Alternative! Die Menschen können zwar die ökologischen Grenzen und die menschliche Natur nicht ändern, aber sie können die gesellschaftliche Welt immer von neuem gestalten, was sie auch ständig tun.

Die Grundlage vieler Gedanken Tim Jackson ist die Vorstellung vom Wohlstand als der Fähigkeit der Menschen zu gedeihen, und zwar innerhalb der ökologischen Grenzen eines endlichen Planeten Erde. Er meint, dass es unschwer zu erkennen ist, dass die einfache Gleichsetzung von Quantität und Qualität, von mehr mit besser, grundsätzlich falsch ist. Tim Jackson schreibt: „Dinge allein lassen uns nicht gedeihen. Manchmal stehen sie uns dabei sogar im Weg.“

Von Hans Klumbies

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