Daniel Goeudevert nennt die Regeln der Globalisierung

Auf den internationalen Märkten geht es scheinbar zu wie immer. Es wird gekauft und verkauft, es gibt Angebot und Nachfrage, Produzenten und Konsumenten. Und dennoch hat dies laut Daniel Goeudevert immer weniger mit der Ökonomie im klassischen Sinne zu tun, auch wenn die Verfechter der Globalisierung ständig das Gegenteil behaupten. Die Anhänger des weltweiten Freihandels fordern ständig Programme und Maßnahmen, die Länder fit machen sollen, um den Stürmen der Globalisierung zu trotzen. Daniel Goeudevert schreibt: „Die Antreiber solcher Fitnesskuren sind multinationale Konzerne und eine weltweit sehr agile Finanzindustrie sowie deren Lobbyisten in den einflussreichen internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Welthandelsorganisation (WHO) und der Weltbank. Der Topmanager Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW.

SüdenEin wirklich freier Weltmarkt existiert nicht

Daniel Goeudevert stellt die wichtigsten Regeln der Globalisierung vor. An erster Stelle nennt er die Liberalisierung der Kapitalmärkte, das heißt die Öffnung des nationalen Banken- und Börsenwesens sowie des Währungsverkehrs für die internationale Finanzindustrie. An zweiter Stelle verortet Daniel Goeudevert eine radikale staatliche Sparpolitik, inklusive Subventionsabbau und Privatisierung von Staatsunternehmen. Dazu kommt als Drittes die Öffnung des Binnenmarktes für ausländische Anbieter und Produkte, und zwar unabhängig davon, ob die nationalen Unternehmen einem solchen Wettbewerb überhaupt schon gewachsen sind.

Diese Regeln sind laut Daniel Goeudevert nicht etwa Zielvorgaben, was seiner Meinung nach durchaus noch vertretbar wäre, sondern akut bindend. Der ehemalige Topmanager erklärt: „Wer immer Finanzmittel von IWF oder Weltbank erhalten oder sich an WHO-Abkommen beteiligen will, hat die geforderten Maßnahmen, als Vorbedingung zu ergreifen. Das gilt allerdings nicht – und das ist der entscheidende Punkt, der die Freihandelskämpfer als Globalisierungsgegner entlarvt – für alle Länder gleichermaßen, sondern nur dann und dort, wenn und wo es den entwickelten Ländern zum Vorteil gereicht. Von einem wirklich freien Markt kann mithin keine Rede sein.“

Die Liberalisierung zerstört in vielen Fällen die heimische Wirtschaft

Dem IWF, der Weltbank und der Welthandelsorganisation geht es laut Daniel Goeudevert vor allem um Gewinn. Sie betreiben eine einseitige Interessenpolitik zugunsten der Industrienationen und verschärfen damit die bestehenden Ungleichheiten. Daniel Goeudevert erklärt: „Tatsächlich kann bislang kein einziges Beispiel belegen, dass ein Entwicklungs- oder Schwellenland durch die geforderte Marktöffnung und Handelsliberalisierung Entwicklungsfortschritte erzielt hätte.“ Das Gegenteil ist richtig: Überall wo diese Forderungen umgesetzt wurden, erwies sich die Binnenwirtschaft als nicht wettbewerbsfähig.“

Die Liberalisierung hat gemäß Daniel Goeudevert deshalb noch immer zu einer Beschädigung oder gar Zerstörung der heimischen Industrie und Gewerbes geführt. Länder wie China, Indien, Malaysia oder Vietnam haben für den ehemaligen Topmanager eine erfreuliche Entwicklung genommen, wo die Armut kontinuierlich sinkt und die Wirtschaftsleistung und Einkommen beständig steigen. Daniel Goeudevert erläutert: „Aber all diesen Ausnahmen ist bei vielen Unterschieden im Detail gemeinsam, dass sie sich zentralen Forderungen der IWF oder der Weltbank verweigert haben.“

Von Hans Klumbies