Den Euro wird es in fünf Jahren nicht mehr geben

Für den Hedge-Fonds-Manager George Soros sind die Zentralbanken auf der ganzen Welt die größten Euro-Spekulanten. Er bestreitet, dass die Hedge-Fonds schuld am Niedergang des Euro wären. Diese hätten nur versucht, sich darauf einzurichten, dass die Zentralbanken das Vertrauen in den Euro verlieren würden. George Soros spekuliert nicht gegen den Euro und sagt: „Ich bin sehr daran interessiert, den Euro und die Europäische Union zu erhalten.“ Dennoch glaubt der Finanztycoon, dass der Euro in einer Krise steckt und die Krise der europäischen Währung in Deutschland missverstanden wird. Die deutschen Rettungsmaßnahmen würden den Euro sogar noch in größere Gefahr bringen.

Deutschland setzt in Europa eine Deflationsspirale in Gang

Die Politik in Deutschland ist für George Soros zwar dafür geeignet, um Deutschland auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger zu machen, aber sie drückt den Rest Europas in eine Deflationsspirale, in der die Preise immer mehr fallen und sich die Wirtschaft nicht erholen kann. Diese Politik ist dafür verantwortlich, dass die Arbeitslosigkeit und Schuldenlast außerhalb Deutschlands steigen werden.

George Soros wehrt sich gegen jede Kritik an Spekulationsgewinnen. Der Milliardär sagt: „Es ist jederzeit völlig in Ordnung, wenn man mit seiner Firma Geld verdienen will. Das ist die legitime Rolle von Firmen.“ Dass es in Krisenzeiten Menschen schlecht geht, wenn die Staaten sparen müssen ist für den Spekulanten George Soros ganz normal. In ungewissen Zeiten gäbe es immer Leute, die Glück haben und von der Wirtschaftskrise profitieren, während sich die große Mehrheit der Bevölkerung einschränken muss.

George Soros: „Der Euro ist ein fehlerhaftes Konstrukt“

George Soros plädiert dafür, in Krisenzeiten bessere Regeln zu schaffen. Denn es sei in Ordnung Geld zu verdienen, wenn man sich an die Vorschriften halte. Da Europa für den Finanzspekulanten George Soros wirklich wichtig ist, erhebt er jetzt seine Stimme und sagt: „Ihr macht etwas falsch.“ Der Milliardär glaubt nicht, dass es den Euro in seiner heutigen Form in fünf Jahren noch geben wird: „Die Regeln müssen auf Dauer geändert werden. Der Euro ist ein fehlerhaftes Konstrukt. Ich glaube, seine Väter wussten das auch.“

George Soros will, dass Deutschland noch mehr Schulden macht, da er das deutsche Sparpaket für falsch hält. Er sagt: „Die anderen Länder müssen mit Deutschland konkurrieren können. Wenn aber Deutschland jetzt spart, müssen die anderen noch mehr sparen – und das drückt sie noch tiefer in die Deflation.“ Deutschland würde die anderen Länder zu Einschränkungen zwingen, die höher sind als die der Deutschen selbst. Dadurch wird das Ungleichgewicht zwischen den Staaten in Europa noch erhöht, das ohnehin schon ein Problem ist.

Laut George Soros muss sich in Europa wieder ein größeres Gleichgewicht zwischen den Staaten einstellen, wozu normalerweise der Wechselkurs der Währungen der beste Weg wäre. Da es diese Möglichkeit in der EU momentan nicht gibt, bleibt nur die schmerzhafte Variante, die Preise und die Löhne zu senken. Dadurch entsteht Deflation. Und wenn in Deutschland gespart wird, erhöht sich die Deflation in anderen Staaten. George Soros ist davon überzeugt, dass Europa jetzt eine Politik der zwei Phasen braucht: „Zuerst muss die Balance im Euroraum wieder hergestellt werden, danach kann man den Euro umbauen und sparen.“

Von Hans Klumbies