Deutschlands mächtigster Banker Josef Ackermann

In den Ohren von Josef Ackermann klingt es bedrohlich, wenn die Regierung an ihn herantritt und ihm zu helfen verspricht. Auf einer Veranstaltung, zu der das Center on Capitalism and Society der Columbia Universität in New York eingeladen hatte, sagte Josef Ackermann in Berlin: „Die Regulierung nimmt zu, der Staat spielt eine sehr aktive Rolle in der Wirtschaft. Regierungen entscheiden darüber, welche Firma überlebt und welche fällt. Dabei ist überhaupt nicht klar, dass die Politik den Unternehmen überlegen ist.“ Josef Ackermann gilt immer noch vielen Deutschen als der böse Bankier des Turbokapitalismus. Es wird wohl immer an ihm hängen bleiben, dass er im Mannesmann-Prozess die Hand zum Victory-Zeichen hob.

Die Deutsche Bank verdient in diesem Jahr 10 Milliarden Euro

Negativ angerechnet wird dem Banker auch, dass er eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent verlangt hatte und gleichzeitig 6.000 Beschäftigte entließ. In Politikerkreisen gilt ein solches Verhalten als schlicht unanständig. Für Josef Ackermann dagegen sind diese Entscheidungen notwendig, wenn Deutschland eine Bank wolle, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten könne. Und dennoch ist Josef Ackermann, trotz aller Kritik an der Politik, so eng mit ihr verbunden wie kein anderer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank seit Hermann Josef Abs, den Konrad Adenauer beinahe zu seinem Außenminister gemacht hätte.

Josef Ackermann hat momentan viel Zeit, um in Interviews und Hintergrundgesprächen gegen die Regulierungswut der Politik zu kämpfen. Denn die Deutsche Bank steht wirtschaftlich glänzend da. Zehn Milliarden Euro wird sie in diesem Jahr verdienen – mehr als je zuvor. Ein Frankfurter Bankmanager nannte die Deutsche Bank deshalb „einen Hedgefonds mit angeschlossener Bank.“

Der Einfluss von Josef Ackermann auf die Regierung

Josef Ackermanns gewaltiger Einfluss nährt sich auch aus einem Amt, das in einer Wirtschaftskrise wichtig ist. Er leitet seit 2003 das Institute of International Finance (IIF), die oberste Lobby-Organisation der globalen Finanzindustrie. Dem Verband gehören 380 Banken an und die Botschaft die der Lobbyist Josef Ackermann immer und immer wieder verbreitet, ist dass man sich als Bank dagegen wehren müsse, von der Politik an die Kette gelegt zu werden. In Berliner Regierungskreisen wird er inzwischen aus der oberste Regulierungsverhinderer genannt.

Immer wieder betont Josef Ackermann in seinen Reden und Vorträgen, wie segensreich die Banken für die Unternehmen wirken und eine wichtige Funktion als Finanziers der Wirtschaft erfüllen. Er ist davon überzeugt, dass man mit jeder neuen Regulierung nicht nur den Banken, sondern auch der realen Wirtschaft schadet. Und Josef Ackermann hat Macht. Es gibt Tage, da macht die Regierung genau das, was Josef Ackermann ihr vorgeschlagen hat. In Regierungskreisen heißt es, dass ohne ihn und sein Wissen um den Zustand der Finanzbrache, die Bundesregierung den Bankenrettungsschirm in seiner jetzigen Form nicht zustände gebracht hätte.

Von Hans Klumbies