Die Nebenwirkungen der Rettung des Euros

Der Princeton-Ökonom Jagdish Bhagwati, einer der besten Kenner der internationalen Wirtschafrt, macht sich, im Gegensatz zum Hedge-Fonds-Manager George Soros, über das Fortbestehen des Euros kaum Sorgen. Griechenland ist für ihn ein viel zu kleines Land, um die europäische Währung ernsthaft in Gefahr zu bringen. Selbst eine Pleite Griechenlands würde Europa keine großen Schmerzen verursachen. Außerdem glaubt Jagdish Bhagwati, dass die europäischen Politiker um jeden Preis alle Mitgliedsstaaten im Euro halten werden. Sie fürchten, wenn ein Land austritt, bekommt zuerst der Euro Schwierigkeiten und dann die ganze Europäische Union.

Europa braucht eine gemeinsame Währung

Die Schwierigkeiten der Spanier unterscheiden sich laut Jagdish Bhagwati grundlegend von denen der Griechen. In Spanien herrscht eine Rezession, dort sind einfach die Staatseinnahmen zu gering. Die Spanier haben nicht so extensiv über ihre Verhältnisse gelebt wie die Griechen. Deshalb ist Spanien in keiner so großen Gefahr wie Griechenland, einen Konkurs hinzulegen. Jagdish Bhagwati hält trotz der Euroschwäche eine gemeinsame Währung für den Euroraum als unverzichtbar. Das Problem in Europa ist nicht die Währung.

Die französische Kritik an der deutschen Sparpolitik lässt der Starökonom nicht gelten. Solange Griechenland zu viel Geld ausgibt, hilft es dem südeuropäischen Land auch nichts, wenn Deutschland weniger auf die hohe Kante legt. Allerdings käme die Weltwirtschaft schneller aus der Rezession, wenn Länder wie China oder Deutschland mehr investieren und mehr Geld ausgeben würden. Jagdish Bhagwati vertritt die Ansicht, dass sich die europäische Währungsunion mittelfristig in eine Transferunion verwandeln wird.

Eine einheitliche Tobin-Steuer kann die Finanzmärkte nicht zähmen

Eine europäische Wirtschaftsregierung lehnt der Verfechter der Globalisierung, Jagdish Bhagwati, ab. Im Prinzip reichte es, wenn die europäischen Staaten ihre Staatshaushalte angleichen. Eine allgemeine Überwachung der Wirtschaftspolitik der EU-Länder hält der Ökonom nicht für notwendig. Von einer einheitlichen Tobin-Steuer für Europa hält der indische Wissenschaftler nichts. Da unterschiedliche Länder unterschiedliche Probleme haben, ist auch nichts gegen unterschiedliche Steuern einzuwenden. Brüssel sollte sich da nicht einmischen.

Mit einer einheitlichen Tobin-Steuer kann man laut Jagdish Bhagwati die Finanzmärkte nicht zähmen. Er sagt: „Das Problem ist: Große Krisen bringen manchen Spekulanten auch große Gewinne. Da hilft ein Prozent Steuer nicht, das wäre wie ein Moskito-Stich für einen Elefanten. Da würden nicht mal zehn Prozent reichen.“ Jagdish Bhagwati ist dagegen, dass die Politik die Finanzwirtschaft durch drastische Auflagen zu sehr schwächt.

Er zitiert dabei seinen Lehrer und Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften Robert Solow, der einmal folgendes sagte: „Die Realwirtschaft sind die Muskeln der Wirtschaft, aber das Finanzsystem ist wie das Blut, das durch die Muskeln fließt.“ Jagdish Bhagwati schlägt vor, das Finanzsystem zu reparieren, es zu sichern und seine Risiken zu verringern. Grundsätzlich sollte man es aber unterstützen.

Von Hans Klumbies