Einer der bedeutendsten Finanzmagnaten der Welt

Ivar Kreugers Leben wurde von den Streichhölzern bestimmt, die ihm ein riesiges Vermögen bescherten. In unserer heutigen Zeit ist das zwar kaum mehr vorstellbar, doch am Anfang des 20. Jahrhunderts waren die kleinen Hölzer mit dem roten Kopf wichtig, ja sogar überlebenswichtig. 1913 übernahm Ivar Kreuger das Familienunternehmen von seinem Vater. Schon sein Großvater hatte in Schweden Zündhölzer produziert und mehrere Fabriken aufgekauft. Bei der Firmenübernahme ist Ivar Kreuger, der als Bauingenieur ausgebildet worden war, 33 Jahre alt und hatte schon mit einer eigenen Baufirma viel Geld verdient.

Ivar Kreuger will das Monopol für Zündhölzer

Ivar Kreuger ist ehrgeizig und will ganz nach oben. Nachdem er in Schweden weitere Streichholzfabriken gekauft hatte, baut er sein Imperium weiter aus, indem er schwedische Wälder, Minen und Papierfabriken erwirbt. Doch sein schwedisches Industriereich wird im bald zu klein. Er strebt nach einem weltweiten Firmenkonglomerat. Der König der Zündhölzer wendet bei seinen Geschäften immer die gleiche Methode an. Während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg brauchen viele Staaten Geld, was der Unternehmer geschickt für seine Zwecke auszunutzen weiß.

Zuerst steigt Ivar Kreuger in dem Land seiner Wahl in den Wettbewerb um Streichhölzer ein, initiiert Preiskämpfe und kauft anschließend Firmen auf, die dem Wettbewerb nicht mehr gewachsen sind. Dann macht er der Regierung ein verlockendes Angebot, dass die meisten annehmen. Er leiht ihnen hohe Geldsummen zu einem ausgezeichneten Zinssatz. Im Gegenzug erhält Ivar Kreuger das Monopol für Zündhölzer.

17 Staaten schulden Ivar Kreuger 400.000 Millionen Dollar

Frankreich, Ungarn, Griechenland, Polen, Jugoslawien und einige südamerikanische Staaten können und wollen sich seinem Werben nicht entziehen. Ende der zwanziger Jahre strebt er auch das Monopol für Streichhölzer in Deutschland an. Da die Weimarer Republik dringend Geld braucht, leiht ihr Kreuger 125 Millionen Dollar zu sechs Prozent Zinsen, die ersten zehn Jahre tilgungsfrei. Auf dem Gipfel seines Ruhmes schulden ihm 17 Staaten fast 400.000 Millionen Dollar.

Privat liebt Ivar Kreuger den Überfluss und den Glamour. Er besitzt Luxuswohnungen in vielen bedeutenden Städten. Allein in Stockholm lebt er auf 700 Quadratmetern in einer der teuersten Privatwohnungen des Landes. Die 23 Zimmer verteilen sich über zwei Etagen. In New York wohnt er an der Park Avenue, in Berlin am Pariser Platz. In seiner Wohnung in Paris will er einen japanischen Wintergarten anlegen lassen.

Da er fast sein gesamtes Vermögen verliehen hat und nur noch wenig Bargeld besitzt, wird er in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise angreifbar. Der internationale Handel bricht zusammen, die Staaten haben plötzlich kein Geld mehr und können ihre Schulden nicht mehr in Raten an Ivar Kreuger zurückzahlen. Jetzt wollen die Banken von Ivar Kreuger Geld sehen, bei denen er die Anleihen als Sicherheiten für Bargeld hinterlegt hatte. Die Banken fürchteten den Totalverlust der Anleihen. Die Aktien seiner Unternehmen verlieren daraufhin an Wert.

Der Kreuger-Crash geht in die Wirtschaftsgeschichte ein

Am Samstag, den 12. März 1932, warten Mitarbeiter und Geschäftspartner auf Ivar Kreuger im Hotel du Rhin. Sie wollen mit ihm über die wackligen Sicherheiten seines Konzerns sprechen, der inzwischen auf 250 Firmen angewachsen ist und etwa 75.000 Mitarbeiter beschäftigt. Doch seine Partner warten vergeblich. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ist, dass einer der mächtigsten Finanzmagnaten der Welt tot ist.

Ein Mitarbeiter findet den 52jährigen in seiner Wohnung in der Rue Victor Emmanuel Nr. 5. Er liegt erschossen auf seinem Bett, die Pistole, eine 9-Millimeter Browning, hält er noch in seiner linken Hand. Als die Nachricht von Ivar Kreugers Tod bekannt wird, brechen weltweit die Kurse an den Börsen ein. Die Krise ging unter dem Namen „Kreuger-Crash“ in die Wirtschaftsgeschichte ein.

Von Hans Klumbies