Heiner Flassbeck entlarvt den Wettbewerb als Dogma

Heiner Flassbeck behauptet, dass in der Welt der heutigen Mainstream-Ökonomen alles dem Prinzip des Wettbewerbs unterworfen werden muss. Dabei ist es nicht von Interesse, ob der Wettbewerb überhaupt zu einer Verbesserung führt, was folglich nicht mehr überprüft wird. Die meisten Ökonomen behaupten auch, dass sich der Wettbewerb nicht entfalten könne, wenn der Staat massiv in den Markt eingreift. Heiner Flassbeck kann an dieser These nichts Wahres erkennen und erklärt: „Das ist eine seltsame Begründung, weil es praktisch überhaupt keinen Wettbewerb ohne staatliche Eingriffe gibt.“ Um einen in den Augen der meisten Menschen vernünftigen Wettbewerb auszutragen, braucht man laut Heiner Flassbeck extrem strenge Regeln. Diese sollen helfen, herauszufinden, wer der Bessere bezüglich der Kernkompetenz ist, um die es jeweils geht. Heiner Flassbeck arbeitet seit dem Jahr 2000 bei den Vereinten Nationen in Genf und ist dort als Direktor zuständig für die Division Globalisierung und Entwicklung.

Bei Dienstleistungen wird um niedrige Löhne gestritten

In der Wirtschaft ist denjenigen, die am lautesten nach Wettbewerb schreien, das Prinzip der Kernkompetenz völlig fremd. Wer die Entdeckung von Neuem für die Kernkompetenz von Unternehmen hält, kann laut Heiner Flassbeck nicht gleichzeitig für richtig halten, dass Unternehmen, die keine Innovationen zu bieten haben, die gleichen Ergebnisse wie die Erfinder erzielen, nur weil sie rücksichtsloser ihre Macht einsetzen, um ihre Betriebskosten zu drücken oder staatliche Subventionen abzugreifen.

Die ehemalige Diskussion um einen Mindestlohn bei der Post hat für Heiner Flassbeck ein einfaches Prinzip, das in viele Bereichen des Dienstleistungssektors herrscht, entlarvt. Er schreibt: „Wettbewerb bei Dienstleistungen ist nach Auffassung der Wettbewerbsfetischisten Wettbewerb um die niedrigsten Löhne.“ Sie argumentieren damit, dass die neuen Wettbewerber, die in das Briefgeschäft einsteigen, ihren Zustellern nicht die gleichen Löhne wie die Post zahlen können, da sonst ein Wettbewerb nicht mehr gegeben wäre. So argumentieren die Gegner des Mindestlohns.

Der Zauberspruch der Marktwirtschaft

Diese Argumentation passt gemäß Heiner Flassbeck in das gängige Schema, dass in Deutschland die Löhne flexibel auf die Gewinnsituation eines Unternehmens reagieren müssten. Wenn schlechte wirtschaftliche Zeiten herrschen, kommt es manchmal zu Lohnkürzungen, manchmal auch nicht. Heiner Flassbeck erklärt: „Wo die Lohnsenkung sich nicht so einfach gestaltet, weil es noch starke Gewerkschaften gibt, bricht dann Heulen und Wehklagen über den Wettbewerb aus und wird laut nach dem Staat gerufen, weil man sich nicht mit den gleichen Mitteln wie die Konkurrenz wehren kann.“

Der Zauberspruch der Marktwirtschaft heißt laut Heiner Flassbeck nicht jeder gegen jeden, sondern einheitlicher Preis für ein und dasselbe Gut, sei es nun Arbeit, ein Produktionsmaterial, ein Rohstoff oder Kapital. Heiner Flassbeck erklärt: „Nur diese Regel, stur angewendet, zum Beispiel auch mittels des Flächentarifvertrags für Arbeit der gleichen Qualität, dass sich Arbeitnehmer untereinander oder Firmen gegenseitig in Grund und Boden konkurrieren durch Preisunterbietungskämpfe, die durch keinerlei technologischen Fortschritt gespeist sind, oder dass einzelne Berufsgruppen ihre Marktmacht missbrauchen und für sich mehr herausholen als die durchschnittliche Produktivitätssteigerung in der gesamten Volkswirtschaft.“

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.