Unternehmen bauen in ihre Produkte ganz bewusst Fehler ein

Die Dokumentarfilmerin Cosima Dannoritzer, die mit ihrem mehrfach preisgekrönten Film „Kaufen für die Müllhalde“ bekannt wurde, hat bei ihren Recherchen herausgefunden, dass viele Hersteller mit Absicht Produkte produzieren, die nach kurzer Zeit kaputtgehen. Es handelt sich dabei nicht um wenige gierige Firmen, sondern der Verschleiß hat sich zu einem wichtigen Teil der Wachstumsökonomie gemausert. Dabei spielen laut Cosima Dannoritzer vor allem drei Faktoren zusammen: die Werbung, der Kredit und der Verschleiß. Die Werbung redet den Menschen ein, dass sie immer das Neueste brauchen. Der Kredit hilft ihnen dabei, die Sachen zu kaufen, von denen sie die meisten überhaupt nicht brauchen und der Verschleiß steigert den Bedarf. Das funktioniert erstens durch geplante Obsoleszenz, indem die Unternehmen kleine Teile an ihren Produkten kaputtgehen lassen.

GesetzDer gewollte Verschleiß ist inzwischen in fast allen Produkten zu finden

Zweitens klappt das durch psychische Obsoleszenz, wenn sich Menschen zu einem neuen Modell verführen lassen, anstatt das alte zu reparieren. Cosima Dannoritzer gibt zu, dass dieses Wirtschaftssystem auch eine Weile lang ganz gut funktioniert hat. Sogar ganze Wirtschaftszweige sind neu entstanden. Da gibt es ihrer Meinung nach nur eine gravierendes Schwierigkeit: „Es konnte kein Langzeitprojekt sein. Die Rohstoffe gehen uns aus und wir kriegen ein Riesenmüllproblem.“ Auch das Wachstum lässt sich nicht ständig beschleunigen.

Der gewollte Verschleiß ist laut Cosima Dannoritzer inzwischen in ziemlich alle Produkte eingebaut worden. Auch die Tendenz, dass vieles in einem Teil verschweißt und verklebt ist, trägt ihrer Meinung nach dazu bei, dass es immer schwerer, wenn nicht unmöglich wird, etwas zu reparieren. Die Menschen haben nur die Möglichkeit, das System des Verschleißes, durch ihr Konsumbewusstsein zu verändern. Cosima Dannoritzer fordert: „Wir müssen jetzt mit Alternativen beginnen, denn wenn die Ressourcen so richtig knapp werden, dann gibt es heftige Konflikte, Kriege.“

Es gibt drei simple Ansätze von Alternativen

Cosima Dannoritzer weist auf eine psychologische Erkenntnis hin: „Je näher die Katastrophe rückt, desto größer ist unser Talent, zu verdrängen.“ Das ist eine Strategie des Überlebens, damit sich die Menschen mit dem Problem befassen können, anstatt in Panik zu flüchten. Aber um eine Lösung zu finden, muss das Problem erst einmal erkannt werden. Doch Cosima Dannoritzer entdeckt auch Positives: „Es entsteht Interesse für Nachhaltigkeit und Alternativen. Und es ist toll, dass unser System tatsächlich Alternativen mit vielen Ansätzen bietet.“

Als Alternativen nennt Cosima Dannoritzer drei simple Ansätze. Erstens lässt sich mit nachhaltigen Produkten Geld verdienen. Zweitens können die Hersteller das Design ihrer Waren so verändern, dass die verwendeten Rohstoffe zurück in den Produktionskreislauf kommen, anstatt im Müll zu landen. Drittens ist es eine Frage der Philosophie. Die Menschen müssen anfangen, ihr Verständnis von Reichtum anders zu definieren. Es kann eigentlich heutzutage nicht mehr sein, dass jemand als reich gilt, nur weil er einen Haufen Krempel herumstehen hat.

Von Hans Klumbies

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