Wesley Clair Mitchell erforscht den Konjunkturzyklus

Der amerikanische Ökonom Wesley Clair Mitchell, der von 1874 bis 1948 lebte, gehört zu den Vätern der Konjunkturforschung. Er wollte nicht mehr und nicht weniger, als die Ökonomie auf einem durch empirische Forschung gesicherten Fundament neu begründen, oder wie er selbst sagte, „die imaginäre Welt der Ökonomie rekonstruieren.“ 43 Jahre lehrte Wesley Clair Mitchell an amerikanischen Hochschulen. Seine Analysen von Konjunkturzyklen erweitere der Wirtschaftswissenschaftler im Laufe der Zeit zu einer umfassenden Untersuchung der Funktionsweise der kapitalistischen Wirtschaft. 1927 erschien sein Hauptwerk: „Der Konjunkturzyklus. Problem und Problemstellung“. Dieses Buch sowie weitere Forschungen zum Konjunkturproblem machten ihn zum international führenden Ökonomen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

ZyklenDie entscheidende Bedeutung der Profiterwartungen

Joseph Schumpeter würdigte die Forschungen von Wesley Clair Mitchell als bahnbrechende Arbeit, mit der er die Basis für eine allgemeine Theorie des Wirtschaftsablaufs gelegt habe. Eine zentrale Erkenntnis des amerikanischen Ökonomen war, dass Konjunkturzyklen aufs engste mit der Geldwirtschaft verbunden sind. Dabei ist weniger der Einsatz von Geld als Tauschmittel entscheidend, sondern vielmehr die mit dem Gebrauch von Geld verbundene Reorganisation des Wirtschaftslebens unter dem Profitziel.

Durch die Analyse der Konjunkturschwankungen in unterschiedlichen Branchen erkannte Wesley Clair Mitchell die entscheidende Bedeutung von Profiterwartungen und den Gefühlen für die Entwicklung der Wirtschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt. Entscheidend für einen Wechsel im Ablauf der Ökonomie eines Landes ist danach der Umschwung von optimistischen in pessimistische Beurteilungen seitens der Unternehmen und Investoren. Diese Einschätzungen beruhen nur zum Teil auf Ursachen der Realität, da sie größtenteils von subjektiven Erwartungen der Unternehmer abhängen.

Wesley Clair Mitchell fordert eine intelligente Wirschaftsplanung

Wesley Clair Mitchell wertete das Umschlagen von Gefühlslagen als einen Prozess, der sich kumulativ verstärkt, in einem Teil der Wirtschaft beginnt und sich nach und nach zur Epidemie entwickelt. Die Ursachen für die Infektionsherde führte er auf die außerordentliche Komplexität der modernen Geldwirtschaft zurück. Für eine Wirtschaft, die dauerhaft floriert, wäre seiner Meinung nach ein Mindestmaß an Abstimmung zwischen den verschiedenen Einheiten einer Wirtschaft notwendig. Die normalen geschäftlichen, finanziellen und industriellen Verbindungen würden dies nicht gewährleisten.

Der amerikanische Ökonom setzte sich für gesamtwirtschaftliche Regulierungen ein. Sie sollten vor allem durch gezielte Vorgaben Unsicherheiten über die Entwicklung der Wirtschaft von vornherein ausräumen. Wesley Clair Mitchell forderte eine intelligente Wirtschaftsplanung, das heißt, die grundsätzliche Bereitschaft des Staates, dann planvoll in die Wirtschaft einzugreifen, wenn der Markt schlechte Ergebnisse erzielt und deshalb nicht zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen kann. Als Anhänger der Demokratie lehnte Wesley Clair Mitchell sowohl die autoritäre Planwirtschaft als auch die freie Marktwirtschaft ab, in der die einzelnen Unternehmer ökonomische Unsicherheiten immer mehr durch Fusionen und Übernahmen zu begrenzen versuchen.

Von Hans Klumbies